Wissenswertes

Fährt man von Oelde aus in Richtung Herzebrock, erreicht man nach ca. 7 km das „Grenzdorf“ Möhler. Keimzelle Möhlers ist das Schloss, auch Haus Möhler genannt. Im 11. Jahrhundert wird es erstmals im Heberegister des Stiftes Freckenhorst erwähnt, als „landtagsfähiges Gut“, also ein Rittergut, dessen Besitzer Sitz und Stimme im Fürstbischöflichen Landtag zu Münster hatte. Um 1200 war das Rittergeschlecht de Mudelare (oder auch de Modelere) in Möhler ansässig, danach verliert sich die Geschichte von Haus Möhler, da es keinerlei Nachrichten aus der Folgezeit gibt.

Erst um 1550 wird Lubbert von Wendt als Besitzer genannt. Später ging Haus Möhler in den Besitz des Freiherrn von Ketteler über. Ketteler ließ zwischen 1710 und 1715 dass noch heute erhaltene Schloss erbauen, welches jedoch aus Geldmangel nie ganz vollendet wurde. 1816 wurde alles an den Gografen Franz Balthasar Wemhoff verkauft. Sein Sohn Franz Wehmhoff war von 1806 bis 1813 auf französische Anordnung hin Bürgermeister von Oelde. In dieser Zeit wurde Oelde also von Haus Möhler aus „regiert“.

Nachdem Wehmhoff Konkurs anmelden musste, kaufte 1830 Herzog Alfred von Croy das Schloß und einigen Grundbesitz. Da er und seine Nachkommen nie in Möhler wohnten, versah ein Rentmeister die Verwaltung und wohnte im Schloss. 1943 starb der letzte Rentmeister von Möhler, Wilhelm Schütte, nachdem bereits 1940 die Rentei geschlossen worden war. In den Folgejahren verfiel das Gebäude immer mehr. Glücklicherweise wurde es nicht abgerissen, wie zwischenzeitlich geplant war. Nach dem Krieg wurde es als Wohnung für Heimatvertriebene genutzt.

1975 kauften drei Heimatfreunde aus Herzebrock das Schloss und ließen es von Grund auf renovieren. Seither haben verschiedene Firmen ihre Büroräume in Haus Möhler, zudem ist im Schlosskeller ebenso wie im Gesindehaus Gastronomie heimisch geworden. Der wieder angelegte barocke Schlossgarten sowie das Gelände mit Kreuzteich und Gräften sind besonders sehenswert. Heute ist dort auch eine öffentlich zugängliche Swingolf-Anlage.

In Nähe des Schlosses entwickelte sich im Laufe der Jahre das Dorf Möhler. Bis 1970 war die durch Möhler führende Straße – die heutige Kapellenstraße – die Grenze zwischen den Bistümern Münster und Paderborn, zwischen der Stadt Oelde und der Gemeinde Herzebrock, zwischen den Kreisen Wiedenbrück und Beckum und zwischen den Regierungsbezirken Münster und Detmold. Im Zuge der Gebietsreform wurde das gesamte Dorf Möhler dem Kreis Gütersloh und somit der Gemeinde Herzebrock-Clarholz zugeschrieben. Die kirchlichen Grenzen blieben jedoch bestehen, und so ist auch heute noch die Kapellenstraße die Grenze zwischen den Pfarreien Oelde und Herzebrock, und somit zwischen dem Bistum Münster und dem Erzbistum Paderborn, sowie zwischen den Kirchenprovinzen Köln und Paderborn.

Das Wort Mudelare bzw. Modulare bedeutet übrigens soviel wie „Erhebung aus dem Moor/Sumpf“ und deutet auf die in früheren Zeiten vom Moor geprägte Umgegend hin.

In Möhler sind der Kapellenverein (dazu zählen auch die Chorschola und die Messdiener) und die Freiwillige Feuerwehr aktiv. An Festen werden der Pfingstkranz, das Feuerwehrfest mit Ludgeri-Kirmes und der Karnevalsumzug gefeiert.

Die Kapelle ist der erste realisierte Sakralbau des späteren Diözesanbaumeisters Emil von Manger. Er entwarf sie im damals typischen neugotischen Stil. Das Portal ist mit Figuren außergewöhnlich auffällig gestaltet. Links die Figur des hl. Franziskus von Assisi, recht die des hl. Bernhard von Clairvaux. Über dem Portal Maria mit dem Jesuskind und zwei Anbetungsengel. Die Figuren schuf der Bildhauer Allard aus Münster.

Betritt man die Kapelle erblickt man als erstes den Hochaltar. Der eigentliche Altar stammt von 1854 und wurde vom Bildhauer Bröker aus Beckum geschaffen. Der Altaraufbau ist jüngeren Datums (1902). Er stammt aus der Werkstatt von Kaspar Loddenkemper aus Oelde. Die Bilder malte Johannes Bartscher, Oelde. Die Kommunionbank (1854, A. Bröker) steht heute in der ursprünglichen Form in der Kapelle. 1923 erweiterte man sie an beiden Enden um eineinhalb Felder. Als 1992 der neue Zelebrationsaltar erstellt wurde (Wohlfahrt, Oelde) verwandte man die angefügten Seitenteile der Kommunionbank als Frontseite des Altares. Ähren und Trauben deuten auf die Eucharistie hin. Der hervorragend gearbeitete Ambo wurde 1992 von Gemeindemitglied Karl Groteheide angefertigt. Die Kanzel zeigt die vier Evangelisten und seit der Umarbeitung 1936 mittig den lehrenden Christus.

Die Christusfigur schuf Heinrich Lückenkötter, Oelde, der Künstler der Evangelistenfiguren ist nicht bekannt. Im nördlichen Querschiff findet man die Figur des Kirchenpatrons Ludgerus (Allard, 1854). Die Muttergottesstatue stammt von Julius Moormann, Wiedenbrück, aus dem Jahre 1936. Auf der gegenüberliegenden Seite findet man die Figur des heiligen Joseph (Lückenkötter, 1943) und die Herz-Jesu-Statue des akad. Bildhauers Georg Kemper aus München aus dem Jahr 1937. Die Seitenaltäre schuf Gemeindemitglied Heinrich Peternathe.

Die Fenster im nördlichen Querschiff befanden sich vor der Erweiterung der Kapelle in den schrägen Wänden des Chorraumes. Die Fenster im südlichen Querschiff wurden 1922 von der Firma Derix, Kevelaer, gefertigt und zeigen die hl. Mutter Anna, den hl. Josef, den hl. Bonifatius und die hl. Elisabeth. Auch das Fenster im Chorraum, das die Verkündigung des Herrn zeigt wurde 1922 neu geschaffen. Das ursprünglich für diesen Platz vorgesehene ehemalige Chormittelfenster brach beim Ausbau 1921 entzwei.

Der Kreuzweg an den Wänden wurde 1939 angebracht und ist ein Frühwerk des Oelder Künstlers Heinrich Lückenkötter. Zahlreiche Abgüsse von einzelnen Stationen finden sich auf Grabdenkmälern des Oelder Friedhofs. Auch der Kreuzweg am Paulusheim sowie auf dem Feldberg im Schwarzwald sind Kopien des Möhlerschen Kreuzweges. Die Figuren unter der Orgelbühne zeigen die heilige Cäcilia und König David. Woher sie stammen ist nicht bekannt. Man vermutet dass sie schon in der Schlosskapelle vorhanden waren, wahrscheinlich waren sie aber Teil eines früheren neugotischen Orgelprospektes.

Das Kriegerehrenmal unter der Orgelbühne schuf 1959 ebenfalls Heinrich Lückenkötter aus Oelde. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich ein altes kleines Epitaph, dessen Ursprung ebenfalls nicht bekannt ist. Man glaubt, dass auch dieses Epitaph schon in der Schlosskapelle vorhanden war.

Die Orgel wurde 1982 von der Firma Speith aus Rietberg gebaut und hat 10 Register verteilt auf zwei Manuale und Pedal, bei mechanischer Spiel- und Registertraktur. Die Glocken wurden 1946 von der Firma Humpert in Brilon gegossen und sind der Gottesmutter Maria und dem Heiligen Ludgerus geweiht. Sie ersetzten die im Krieg abgelieferten Glocken und wurden bis 1998 vom Küster in einem bestimmten Rhythmus von Hand geläutet.

Vor der Kapelle befindet sich ein altes Kreuz. Alter und Herkunft sind nicht bekannt. Am Beginn des Weges steht die Figur des segnenden Christus, 1985 von Heinrich Lückenkötter geschaffen. An der Axtbachbrücke steht die Figur des hl. Johannes Nepomuk, ungefähr 280 Jahre alt. Wer die Nepomukstatue aufstellen ließ, ist nicht bekannt. Nach alter Überlieferung wird berichtet, dass am Tag der Kirchweihe 1854 einige Händler an der Statue ihre Waren feil boten. Dies war der Beginn der Ludgeruskirmes, die bis heute – nun zusammen mit dem Stiftungsfest der Feuerwehr – zwei Wochen nach Ostern stattfindet.

Die Geschichte der Kapelle und Kapellengemeinde beginnt im 17. Jahrhundert und steht in enger Verbindung zum Schloss Möhler. Schon seit 1665 fand – allerdings wohl unregelmäßig, zu einzelnen Terminen – eine Heilige Messe im Schloss statt.

Im Jahre 1745 genehmigte der päpstliche Nuntius Hieronymus Spinola auf Bitten des damaligen Schlossherren von Ketteler, dass in der Kapelle auf Haus Möhler regelmäßig die Heilige Messe gefeiert werden könne. Diese Genehmigung war aber an die Person des Herrn von Ketteler gebunden. Es handelte sich somit um ein „oratorium privatum“ eine private Gebetsstätte. Der Bevölkerung von Möhler und den umliegenden Bauernschaften war die Teilnahme an den Messen – auch aufgrund der weiten und beschwerlichen Wege zu den Pfarrkirchen – erlaubt. Die Gottesdienste wurden bis etwa 1825 von Franziskanern aus Wiedenbrück, später von Vikaren aus Oelde, Herzebrock oder Wiedenbrück gefeiert.

Der Herzog von Croy, der 1830 das Haus Möhler gekauft hatte, hatte an der Beibehaltung des Gottesdienstes in Möhler persönlich kein Interesse zumal er auch nicht in Möhler wohnte, gestattete aber weiterhin die Benutzung der Schlosskapelle. So mussten sich die Möhleraner selbst um einen Geistlichen bemühen und für die Kosten aufkommen.

Wahrscheinlich reichte zur damaligen Zeit der Platz in der Schlosskapelle für die Gläubigen nicht mehr aus. Dies war allerdings nicht der Grund eine eigene Kapelle zu bauen. Entscheidend war, dass es sich um ein „oratorium privatum“ handelte. 1847 wurde vom Generalvikar angeordnet, dass alle Privatkapellen die päpstliche Konzession haben müssten. Der damalige Pfarrer Köster von Oelde empfahl den Gottesdienst beizubehalten, da ein Geistlicher zur Verfügung stehe. 1851 gab der Bischof von Münster eine Verordnung über die Privatkapellen heraus, in dem es heißt, dass die Benutzung der Privatkapellen rein persönlich sind und mit dem Tode dessen erlöschen, zu dessen Gunsten sie verliehen wurden.

Somit war mit dem Tode des Herrn von Ketteler diese Genehmigung bereits erloschen und die Feier der hl. Messe in der Kapelle streng genommen nicht zulässig, diese Tatsache wurde aber zugunsten der Möhleraner übersehen. Auf die dringende Bitte Pfarrer Kösters wurde dann auch zunächst die Erlaubnis für ein weiteres Jahr erteilt, es sollte aber daran gedacht werden, eine eigene Kapelle ein „oratorium publicum“ zu bauen.

Die Möhleraner waren von der Idee eines eigenen Gotteshauses begeistert, und begannen sofort mit ersten Überlegungen und Planungen den Kapellenbau betreffend. Sie baten den Herzog von Croy er möge ihnen doch einen Bauplatz überlassen, er lehnte jedoch ab, sei aber gerne bereit den Gottesdienst in der Schlosskapelle weiterhin zu genehmigen. Weitere Bitten betreffs Neubau wurden vom Herzog abgelehnt, der Bischof hingegen gab die Erlaubnis zur Feier der hl. Messe in der Schlosskapelle nicht. Irgendwann lenkte – auf die unermüdlichen Anfragen der Möhleraner hin – der Herzog ein und schenkte ein Grundstück seines Hopfen- und Hirschgartens in Nähe des Schlosses.

Der erste Entwurf von Baumeister Pohlmann aus Rheda fand nicht die Zustimmung des Herzogs und des Bischofs. Nachdem schließlich – nach manchen weiteren Schwierigkeiten – der Plan des Architekten Emil von Manger genehmigt war, wurde mit dem Bau begonnen. Die gesamten Kosten für die Kapelle wurden von den Mitgliedern der Kapellengemeinde aufgebracht. Am 17. Mai 1854 kam Bischof Johann-Georg Müller persönlich nach Möhler um die Kapelle zu weihen. Er selbst bestimmte den heiligen Ludgerus zum Patron der Kapelle.

Die Zeit nach dem Kapellenbau war geprägt von der Sorge um den Gottesdienst und damit verbunden um einen Geistlichen. Dieses schwierige Kapitel kam erst im Jahre 1893 zu einem Ende. Der damalige Konrektor der Oelder Rektoratschule Kaplan Bernhard Haard wurde der Kapelle als Deservitor (ein für den Gottesdienst zuständiger Geistlicher) zugeteilt. Ihm folgten die jeweiligen Leiter der Rektoratschule, seit 1982 emeritierte Pfarrer.

1905 wurde auf Anregung des damaligen Lehrers Thöne ein Pfennigverein gegründet mit dem Ziel, Geld für einen Erweiterungsbau der Kapelle zu sammeln. Dieser Pfennigverein ging dann im 1906 gegründeten Kapellenverein Möhler e. V. auf. 1921 hatte der Verein dass Ziel erreicht: Der Grundstein zum Erweiterungsbau der Kapelle wurde gelegt. Architekt war der Oelder Bernhard Mönnigmann. Am 27. September 1922 kam der Bischof von Münster Johannes Poggenburg nach Möhler um den Erweiterungsbau zu konsekrieren. In der Folgezeit entwickelte sich das Leben in der Kapellengemeinde weiter, vor allem auch Dank des großen Einsatzes der jeweiligen Seelsorger.

Es entwickelte sich ein eigenständiges Gemeindeleben, auch wenn im kirchenrechtlichen Sinne keine eigene Gemeinde besteht und es auch keine festen Grenzen gibt. Im Wesentlichen setzt sich die Kapellengemeinde aus den Bauernschaften Möhler–Brock, Menninghausen und Samtholz zusammen. Bis 1953 gehörte Möhler zur St.-Johannes-Pfarrei in Oelde, danach zur neuen St.-Joseph-Pfarrei, ab 2012 dann zur neuen Großpfarrei St. Johannes Oelde.

1904 feierte man das 50-jährige und 1929 das 75-jährige Jubiläum. Ein großes Fest für Möhler und Umgebung war das 100-jährige Jubiläum 1954 mit Weihbischof Dr. Heinrich Roleff, ebenso das 125-jährige Jubiläum mit Weihbischof Dr. Reinhard Lettmann und das 150-jährige Jubiläum 2004 mit Bischof Dr. Reinhard Lettmann.